News - Nickyvon nicky07.03.2010 - 23:40 Uhr

Die Welt mit Nicky Kolumne - 31 -

Hallo liebe Leser,
jetzt war der Frühling schon so nah und die ersten Schneeglöckchen kamen schon heraus, aber seit diesem Wochenende ist Deutschland wieder eine weiße Winterlandschaft. Genauso überraschen wie der Winter, kamen wohl auch die Berichte über die Missbrauchskandale in kirchlichen Einrichtungen und Internaten. Ein Thema, dass wohl alle etwas angeht und über das man auch Bescheid wissen sollte.

 

 

 

 

 

Eigentlich galt die Kirche immer als Stütze der Menschen, als Verbindung zu Gott, als Einrichtung in der man Hilfe bekam und auch als Beispiel für eine gute Erziehung seiner Kinder. Doch im Moment haben sich das bestehende Bild des christlichen Glaubens und besonders das Bild das man von Päpsten, Bischöfen und Pfarrern hatte, um 90 Grad gedreht. Jeder hat schon von den Missbrauchsfällen in Internaten mit kirchlicher Erziehung gehört und es wird sich wohl jeder schon einmal gefragt haben, wie solche Fälle unentdeckt bleiben konnten. Das große Vertrauen, dass die Menschen schon seit hunderten von Jahren in die Kirche setzen spielt dabei wohl eine große Rolle, dabei kennt doch jeder den Satz: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Im Fall der Kirche und den jetzigen Missbrauchsskandalen wäre letzteres wohl besser gewesen.

Der Schock war für alle Kirchenmitglieder, Ordensmitglieder und die Öffentlichkeit in Deutschland groß. Doch für die Kirche war der Schock nicht das Mitleid für die Missbrauchten, sondern wohl eher die Angst vor einer Blamage und der Zerstörung des schönen Scheins, den sie seit ewiger Zeit wahren.
Den Rest von Deutschland erschütterte es da doch eher im Glauben. Besonders da Deutschland von vorn herein ein vom Christentum geprägter Staat ist. Überall am Wegesrand findet man Kreuze, Kapellen und in fast jedem Klassenzimmer findet man ein Kruzifix.
In Deutschland arbeiten Staat und Kirche eng zusammen: die Kirchensteuer wird vom Staat eingezogen, das Gehalt der Bischöfe wird aus Steuermitteln gezahlt und in jeder Deutschen Schule gehört Religion zu den Pflichtfächern – ganz anders an zum Beispiel in Frankreich oder in den USA, bei denen Staat und Kirche strikt getrennt sind.

Spricht eigentlich für die Kirche und ihre hohe Stellung bei der deutschen Bevölkerung.

Deswegen gab es bis jetzt auch noch keine Gründe gerade bei den Stellvertretern Gottes solch sündige Dinge wie Missbrauch und Kinderpornografie zu suchen. Aber auch Ordensmitglieder sind nur Menschen und keine Heiligen. Doch anstatt die Fälle aufzuklären versuchen die Betroffenen das Eindruck einer unversehrten Welt aufrechtzuerhalten. So wird lieber intern überprüft und geregelt, anstatt die Staatsanwaltschaft mit einzubeziehen. Konsequenzen ziehen sieht aber eigentlich anders aus, denn die Verantwortlichen zu schützen und die Vorfälle zu entkräften bringt wenig, weil die missbrauchten Kindern wenig davon haben, wenn Gehorsam und Demut und die Wahrung des schönen Scheins im Vordergrund stehen. Und Argumente wie Verjährung der Fälle oder Unwissenheit sind wohl auch nur Hilfeschreie der Kirche, die mit der Situation schlichtweg überfordert ist.

Dabei bräuchten viele Menschen, gerade in den schwierigen Zeiten der Weltwirtschaftskrise, einen Ort bei dem sie Halt finden und auf den sie sich verlassen können. Doch durch Verschanzen und Totschweigen der Missbrauchsfälle bietet die Kirche keinen Halt mehr, sondern zerstört vielmehr das Vertrauen. Selbstkritik, Mut sich zu offenbaren und seine Fehler einzugestehen wären eher richtig am Platz.

Wenn sich das Blatt für die Kirche nicht bald wendet, werden wohl den kirchlichen Erziehungseinrichtungen die Schüler ausgehen und zu den Gottesdiensten der Kirche noch weniger junge Menschen kommen. Da hilft dann auch der schöne Schein der Kirche nichts mehr, wenn keiner mehr wirklich weiß, ob die Realität genauso aussieht.

 

 

 

 

 

 

Eure Nicky

 

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